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Ernährung und chronische Entzündungen

Ernährung und chronische Entzündungen

Auszug aus der Publikation „Feuer im Körper 1“, Ralf Meyer, Heilpraktiker, 2010

Das heutige Wissen um die (Aus)wirkungen chronischer Entzündungen hat das Verständnis von Herz- und Kreislaufkrankheiten revolutioniert. Aktuelle Studien deuten auf einen direkten Zusammenhang zwischen erhöhten Entzündungswerten und steigenden Risiken für Gefäßerkrankungen und Herzinfarkt hin. Dass unsere Ernährung auch entzündliche Prozesse anstoßen kann, sei am Beispiel der Glutenunverträglichkeit erläutert.

Glutenunverträglichkeit und Multisystemerkrankungen

Abwehrreaktionen gegen Gluten, dem Klebereiweiß in Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel können fatale Folgen haben und Multisystemerkrankungen auslösen. Diese Autoimmunerkrankung führt zu einer Schädigung der Darmschleimhautzellen, in der Folge zu Resorptionsstörungen und somit zu einer Reduktion der Nährstoffaufnahme. Berichtet werden zudem Zusammenhänge mit Diabetes Typ 1, rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose und dem Reizdarmsyndrom (Colon irritabile).

Klassische Symptome sind Durchfall, Blähungen, Gewichtsverlust und Übelkeit – allerdings weisen mehr als die Hälfte der Patienten keine Beschwerden im Verdauungstrakt auf. 99 % der Betroffenen blieben daher unentdeckt.

Verdauungssymptome und chronischer Durchfall treten erst auf, wenn ausgedehnte und „kritische“ Darmabschnitte geschädigt sind und 1 % der Bevölkerung (USA) sei betroffen (Nachweis durch Erhöhung der sekretorischen Immunglobulin A-Transglutaminaseantikörper).1

Atypische Beschwerden durch Resorptionsstörungen

Im Rahmen der Entzündungsreaktionen der betroffenen Darmschleimhautzellen, ausgelöst durch Immunreaktionen der Abwehrzellen gegen Gluten mit nachfolgender Schleimhautschädigung, können folgende atypische Krankheitsbilder entstehen:

  • Eisenmangelanämie
  • Osteoporose
  • Gelenkschmerzen
  • Chronische Müdigkeit
  • Epilepsie
  • Demenz
  • Schizophrenie
  • Hautschäden

Übersehene Kranke durch Glutenallergie? 347 Untersuchungen (n= 347)

Ralf Meyer, Heilpraktiker, führte in seiner Praxis eine Untersuchungsreihe an 347 Patienten zum Nachweis einer Glutenallergie durch (Messung der sekretorischen Anti-Transglutaminaseantikörper im Stuhl). Die Untersuchungen (im Gemeinschaftslabor Südwest, Ettlingen) wurden Rilibäk-konform (Richtlinien zur Qualitätssicherung der Bundesärztekammer) durchgeführt.

Die im Rahmen dieser Untersuchungsreihe festgestellten Erhöhungen des Glutenallergiemarkers - sekretorische anti-Transglutaminase-Immunglobulin A-Antikörper - lagen entgegen den in USA erhobenen Messungen nicht bei 1%, sondern bei 26,22% der untersuchten Patienten. Somit wiesen mehr als 25% der 347 untersuchten Patienten eine Glutenallergie auf.

Als gemeinsame Faktoren von Autoimmunerkrankungen werden genannt:

  • 1. Umweltsubstanz (im Falle der Zöliakie das Gluten)
  • 2. genetische Veranlagung für diese immunologische Überreaktion
  • 3. durchlässige Darmschleimhäute (Leaky Gut)

Mechanismus

Die Verbindungsbrücken zwischen den Darmepithelzellen – sog. „tight junctions“ - werden durch Bakterientoxine oder selbst produziertes Zonulin gelockert. Zonulin ist ein Protein, das von der Darmschleimhaut produziert wird und die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöht. Dies führt zu einem vermehrten Übertritt großmolekularer Proteine, die wiederum die Abwehr stimulieren. Grundsätzlich wird das Vermeiden der Umweltsubstanz (Gluten) empfohlen. Kinder, die bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres glutenfrei ernährt werden, erkranken 4-mal seltener an Zöliakie (bei Erwachsenen „Sprue“ genannt).

Eine Gentherapie ist aktuell in weiter Ferne. Die Behandlung mit Darmbakterien wird ebenfalls empfohlen, da eine physiologische Bakterienbesiedlung des Darms die Glutenintoleranz aufheben kann. Dies beruht auf der Erkenntnis, dass eine physiologische Darmflora die Reaktionsfähigkeit von Antigenen reduzieren kann, die zu einer Überaktivierung des Immunsystems gegen Gluten führen. Warum eine antientzündliche Ernährung?

Das Ziel einer antientzündlichen Ernährung ist eine individuelle Laborerfassung von Lebensmitteln, die immunologische, sog. aseptische Entzündungen verursachen.

Dabei werden die nahrungsmittelspezifischen Immunglobuline IgG-1-4 erfasst. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die nahrungsmittelspezifischen Immunglobuline IgG-1 und IgG-3, da diese 4 bis 72 Stunden nach der Nahrungsaufnahme zu zeitverzögert auftretenden Entzündungsreaktionen führen können. Nur die Immunglobuline IgG-1 und IgG-3 sind antigenpräsentierend und komplementaktivierend und somit für Entzündungsprozesse verantwortlich.

Mit einer Serumkonzentration von 9 mg/ml Serum dominiert IgG-1 die Immunglobuline der G-Klasse, gefolgt von IgG-2 mit einer Konzentration von nur 3 mg/ml Serum und IgG-3 von 1 mg/ml Serum. IgG-4 kommt dagegen nur in einer Serumkonzentration von 0,5 mg/ml vor und in der Literatur ist eine Korrelation mit dem Sofortallergie auslösenden Immunglobulin E beschrieben. Da IgG-4 allerdings in 10.000-fach höherer Konzentration als IgE vorhanden ist, aber im Vergleich zu IgE nur 1% des Histamins ausschüttet, spielt IgG-4 kaum eine Rolle in der Entstehung entzündlicher Prozesse.


Neben der Elimination IgG positiv getesteter Lebensmittel empfiehlt es sich häufig, folgende Lebensmittel vom Ernährungsplan zu streichen:

  • stark histaminhaltige (bei Histaminintoleranz / Entzündungsprozessen)
  • eisenhaltige (bei bekannter Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
  • laktosehaltige (bei bekannter Laktoseintoleranz)
  • fruktosehaltige (bei bekannter Fruktoseintoleranz)
  • glutenhaltige (bei bekannter Zöliakie/Sprue)
  • harnsäurehaltige (geringere Bedeutung bei Hyperurikämie. Die Ursache ist mehr in Kohlenhydratüberkonsum und essentiellem Fettsäuremangel zu suchen. Dies führt zu mitochondrialen Leistungsschwächen und Strukturschäden).
  • glutenhaltige Lebensmittel (wenn Aspergillus niger im Testergebnis positiv)
  • Ernährung nach niedrigem glykämischen Index / niedriger glykämischer Last
  • kohlenhydratreduzierte Ernährung (abgeschwächte Form der Kohlenhydratrestriktion, 200 g Vollkorn-Getreide oder Kartoffeln erlaubt)
  • Kuhmilchprodukte (falls ein Kuhmilchprodukt positiv getestet wurde).
Studie Arbeitsunfähigkeit
Behandlung zeitverzögert auftretender Lebensmittelallergien mit 114 Patienten mit folgenden Gesamtergebnissen: Erfolgsrate von 71 % bei allen Symptomen sowie ein Besserungsgrad von mindestens 75 %. Von besonderem Interesse war die Patientengruppe mit chronischen Beschwerden, Symptome der Arbeitsunfähigkeit, die für andere intensive Behandlungen nicht mehr empfänglich war.
Während 70 % eine Besserung von 75 % oder mehr erzielten, erreichten 20 % dieser Patientengruppe eine 100%-ige Erleichterung.2

Doppelblindstudie Morbus Crohn (MC)
40 Patienten – signifikante Verbesserung der Durchfälle, Bauchbeschwerden und des Allgemeinbefindens bei Elimination IgG-positiv getesteter Lebensmittel.3

Studie Migräne
60 Patienten – 39 davon beenden Studie und eliminieren IgG-positiv getestete Lebensmittel.
30 – 40 % profitieren von der Ernährungsumstellung nach 1 bis 2 Monaten und 60 % berichten über Rückkehr der Migräne, wenn die positiv getesteten Lebensmittel wieder konsumiert werden.4

Migräne – Inflammation im Gehirn
45 % der Bevölkerung in Europa und in den USA leiden an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die Patienten profitieren von der Ernährungsumstellung auf Basis eines IgG-Tests. Besonders diejenigen, die die Ernährungsumstellung konsequent umsetzen, erfahren eine deutliche Verbesserung. Dabei ist die Verbesserung bei etwa 70 % der Patienten über einen Zeitraum von einem Jahr konstant.5

Die antientzündliche Ernährungstherapie sowie der Einsatz antientzündlicher Mikro-/Makronährstoffe und symbiontischer Mikroorganismen können positive Effekte gerade in der Prävention chronischer Erkrankungen zeigen. Neben der möglichen individuellen Gesundheitsverbesserung gilt es auch, den volkswirtschaftlichen Nutzen zu betrachten: Eine einmalige Intervention belastet die Gesundheitssysteme deutlicher weniger, als die jahrelange Therapie chronischer Erkrankungen.



1) Fatale Darmkrankheit durch Getreideallergie Spektrum der Wissenschaft Mai 2010
2) Dixon HS. Treatment of delayed food allergy based on specific immunoglobulin G RAST testing. [Behandlung verzögerter Nahrungsmittelallergie auf der Basis spezifischer Immunglobulin G RAST Untersuchungen]. Otolaryngol Head Neck Surg. 2000 Jul;123(1 Pt 1 ):48-54. Department of Otolaryngology-Head and Neck Surgery, Vanderbilt University, USA.
3) S. Bentz 1, M. Hausmann 2, S. Paul 3, W. Falk 1, F. Obermeier 1, J. Schölmerich 1,G. Rogler 2. Clinical relevance of IgG antibodies against food antigen in Crohn’s Disease – A double blind cross over diet intervention study. Presented at the 15th Annual United European Gastroenterology Week, Paris, October 2007.)
4) T. Rees 1, D. Watson 2, S. Lipscombe 3, H. Speight 4, P. Cousins 4, Geoff rey Hardmann 5, A. Dowson 6. A Prospektive Audit of Food Intolerance Among Migraine Patients in Primary Care Clinical Practice. Headache Care Vol. 2. No. 1. 2005. 11-14.
5) British Allergy Foundation